Fragen und Antworten

An dieser Stelle finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen im Zusammenhang mit Krankenhaushygiene, Keimen und Infektionsschutz. Auch Fragen aus der Online-Sprechstunde werden bei der Aktualisierung dieser Seite berücksichtigt.

  • Hygiene im Krankenhaus - wer macht was für die Patientensicherheit?
  • MRSA und andere Problemkeime - welche Folgen haben sie für mich?
  • Was sind Keime?
  • Welche Krankheiten können Keime verursachen?
  • Was bedeutet MRSA?
  • Was bedeutet MRGN?
  • Wofür steht ESBL?
  • Was hat es mit VRE auf sich?
  • Was sind gramnegative und grampositive Bakterien?
  • Muss man vor Keimen Angst haben?
  • Wieso wirken Antibiotika gegen manche Keime nicht?
  • Warum ist das Desinfizieren der Hände so wichtig?
  • Sind dreckige Böden Keimschleudern?
  • Lieber zu viel als zu wenig Antibiotika, oder?
  • Darf es in einem guten Krankenhaus überhaupt Infektionen geben?
  • Gilt die Faustregel „Je mehr gemeldete MRE-Fälle desto schlechter das Krankenhaus?“

Hier finden Sie den zusammengefassten Chat vom 17. September 2015, dem Internationalen Tag der Patientensicherheit, zum Nachlesen. Die Leitfrage für diese zweite Online-Sprechstunde im Rahmen der Hygiene-Initiative "Keine Keime. Keine Chance für multiresistente Erreger. Gemeinsam Gesundheit schützen" lautete "Hygiene im Krankenhaus - wer macht was für die Patientensicherheit?".

Hier finden Sie den zusammengefassten Chat vom 9. Juli 2015 zum Thema "MRSA und andere Problemkeime - welche Folgen haben sie für mich?" zum Nachlesen.

Keime sind etwas ganz Natürliches, auch wenn wir sie nicht sehen können, weil sie so winzig sind. Es gibt sie in jedem menschlichen Körper, sie leben auf der Haut, in Schleimhäuten und im Darm. Die „Darmflora“ zum Beispiel bewohnen Billionen Keime, die dabei helfen, Essen zu verdauen, Vitamine zu nutzen und Giftstoffe harmlos zu machen. Eine gute „Keimflora“ stärkt das Immunsystem und verhindert Krankheiten – Keime sind also nicht nur natürlich, sondern sie sind sogar wichtig für die Gesundheit des Menschen. Gleichzeitig können Keime aber auch Schaden anrichten, wenn sie zur falschen Zeit am falschen Ort sind, etwa wenn sie in eine Wunde gelangen. Wir kennen diese Keime als „Krankheitserreger“.

Keime sind nicht per se gesundheitsschädlich. Sie werden zu Krankheitserregern, wenn sie sich ungewollt in die Körper von immungeschwächten Menschen einschmuggeln, etwa über offene Wunden. Dann können sie verschiedene Infektionen auslösen, beispielsweise Haut- und Wundentzündungen, Magen-Darm-Erkrankungen, Lungenentzündungen oder Blutvergiftungen. Bei geschwächten Patienten kann das zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen.

MRSA ist die Abkürzung für Methicillin resistenter Staphylococcus aureus. Diese Bakterien sind eine Variante des Bakteriums Staphylococcus aureus und u. a. gegen die Behandlung mit dem Penicillin-Typ Methicillin immun. Je nach Herkunft wird zwischen LA-MRSA (Quelle: Landwirtschaft), HA-MRSA (Quelle: Gesundheitssystem) und CA-MRSA (Quelle: Bevölkerung) unterschieden.

Diese Abkürzung steht für multiresistente gramnegative Erreger. Sie befinden sich häufig im Magen-Darm-Trakt, können aber auch im Nasen-Rachen-Raum oder in der Umwelt nachgewiesen werden. Zu ihnen gehört unter anderem der Typ Acinetobacter baumannii. Bei einer Resistenz gegen die vier Antibiotikagruppen Penicilline, Cephalosporine der 3. und 4. Generation, Fluorchinolone, Carbapeneme spricht man von 4MRGN. 3MRGN heißt: Drei dieser Gruppen sind wirkungslos.

ESBL ist kein spezifischer Keim, sondern ein Enzym, das manche Antibiotika wirkungslos macht: die sogenannten ß-Laktam-Antibiotika. Bakterien, die ESBL produzieren können, werden deswegen resistent gegen verschiedene Antibiotika. Ausgeschrieben heißt das Enzym Extended Spectrum β-Lactamase.

Diese Abkürzung bezieht sich auf Enterokokken. Das sind grampositive Bakterien, die zur natürlichen Darmflora des Menschen gehören. Bei immungeschwächten Menschen können sie beispielsweise Harnwegsinfekte oder Wundinfektionen auslösen.

Diese beiden Kategorien verwenden Mikrobiologen zur Unterscheidung von Bakterien. Dabei kommt ein Verfahren zum Einsatz, das Bakterien unterschiedlich einfärbt, je nachdem, wie ihre Zellwände aufgebaut sind. Grampositiv sind zum Beispiel MRSA, gramnegativ zum Beispiel Bakterien des Typs Acinetobacter baumannii oder Escherichia coli. Ist eine eindeutige Zuordnung nicht möglich, behelfen sich Wissenschaftler mit den Zwischenkategorien „gramvariabel“ und „gramunbestimmt“.

Nach Angaben des Robert Koch-Institutes erleiden nur ca. 2,2 % der etwas mehr als 18 Millionen Krankenhauspatienten eine Infektion. Hierbei kann es sich um leichte Infektionen handeln, die nur einer kurzen Therapie bedürfen. Leider treten aber auch lebensbedrohliche Erkrankungen, insbesondere bei immungeschwächten Patienten auf. Trotz der großen Herausforderungen in der Behandlung multiresistenter Erreger, bestehen weiterhin hierzu Therapiemöglichkeiten. Durch intensive Hygienemaßnahmen und einen sparsamen Einsatz von Antibiotika müssen diese Optionen jedoch dauerhaft geschützt werden.

Keime passen sich an ihre Umwelt an wie Tiere oder Menschen. Sie können also auch Abwehrstrategien gegen Medikamente wie Antibiotika entwickeln, das ist ein normaler Auswahlprozess der Evolution. Wir Menschen haben diese Entwicklung leider beschleunigt, weil wir Antibiotika nicht immer korrekt einsetzen. Eine nicht leitliniengerechte Indikation und Auswahl eines Antibiotikums sowie eine fehlerhafte Einnahme können zur Ausbildung von Resistenzen führen.  Auch die Massentierhaltung hat dazu beigetragen, dass Antibiotika heute nicht mehr gegen alle Keime wirken. Das systematische Verfüttern von Medikamenten an Mastschweine, Puten und Hühner hat dazu geführt, dass sich auch bei diesen Tieren resistente Keime bilden. Früher oder später gelangen diese Keime zu uns Menschen: als Fleisch, über das Grundwasser oder über gedüngtes Gemüse.

Am häufigsten wandern Keime von Hand zu Hand, weil viele Bakterienstämme auf der Hautoberfläche leben. Deswegen spielen die Hände so eine wichtige Rolle bei der Prävention. Wenn wir Hände schütteln oder halten, können wir unbeabsichtigt Keime auf Kranke, Angehörige, Zimmernachbarn oder Besucher übertragen. Sie können aber auch den Umweg über Gegenstände nehmen, die wir anfassen, zum Beispiel Tische, Türklinken, Tablette oder Handys. Das gilt für harmlose wie für gefährliche Keime. Nach Schätzungen der Deutschen Seniorenhilfe werden resistente Keime in neun von zehn Fällen über die Hände der Menschen übertragen. Wer sich im Krankenhaus aufmerksam die Hände desinfiziert, trägt also sein Teil dazu bei, dass sich resistente Keime nicht verbreiten.

Die Hauptstraße der Keime führt über unsere Hände – entweder über direkte Berührungen oder über oft angefasste Gegenstände wie Türklinken. Deswegen tragen glänzende Fußböden in Krankenhäusern weniger zur Eindämmung von Keimen bei als Handschuhe und Händedesinfektion.  In den wissenschaftlichen Hygienevorschriften werden Fußböden als „patientenferne“ Flächen bezeichnet. Sie müssen deshalb seltener als z. B. Behandlungsliegen desinfiziert werden. Das heißt aber nicht, dass sich über die Reinigung der Böden niemand Gedanken macht: Die offiziellen Empfehlungen des Robert Koch-Instituts basieren auf Untersuchungen und Tests.

Antibiotika sind eine bahnbrechende Erfindung der Medizin, sie haben unheilbare Krankheiten heilbar gemacht und viele Menschenleben gerettet. Deswegen haben sie den Ruf, ein Allheilmittel zu sein. Tatsächlich helfen Antibiotika weder gegen die klassische Erkältung noch gegen Fußpilz oder Grippe – sie sind nur gegen Bakterien effektiv, nicht gegen Virenbefall oder Pilzinfektionen. Für die korrekte Anwendung von Antibiotika liegen mittlerweile ausführliche Leitlinien vor. Werden diese nicht ausreichend beachtet, kann es zur Ausbildung von multiresistenten Keimen kommen. Also: Lieber weniger und richtig!

Auch bei einer allerbesten Hygiene  können Infektionen nie vollständig verhindert werden. Infektionen sind bedauerlicherweise „normale“ Begleiterscheinungen bei der Behandlung von kranken Menschen. Das Robert Koch Institut geht davon aus, dass in zwei von drei Fällen eine Infektion nicht vermeidbar war. Das Infektionsrisiko hängt auch damit zusammen, dass in unserer heutigen Medizin viele heikle Eingriffe und Behandlungen durchgeführt werden, um früher unheilbare Krankheiten zu heilen. Dennoch bemühen sich alle Mitarbeiter im Krankenhaus täglich darum, die Infektionsraten weiter zu minimieren. Ein infektionsfreies Krankenhaus wird es aber nie geben.

Solche Vergleiche hinken aus zwei Gründen: Erstens hat es Vorteile, wenn ein Krankenhaus schlummernde Erreger entdeckt. Dann kann es alle Schutzmaßnahmen einleiten, damit die Keime sich nicht weiter ausbreiten, zum Beispiel Patienten in Einzelzimmer verlegen. Das Gegenteil wäre schlechter: In einem Krankenhaus verbreiten sich resistente Keime und niemand merkt es. Zweitens wäre eine vergleichende Statistik unfair gegenüber allen Krankenhäusern, die besonders kranke Patienten behandeln. Sie haben zwangsläufig eine höhere Anzahl an Patienten, die Keimträger sind, und damit trotz bester Hygienemaßnahmen eine größere Wahrscheinlichkeit von Infektionen.

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