Hygiene-Profi seit 15 Jahren: Marion Matthies in Dortmund

Marion Matthies gehört zu den Hygiene-Profis der ersten Stunde. Als sie 1985 als Gesundheits- und Krankenpflegerin anfing, wurde ihr schnell klar: Hygiene im Krankenhaus ist erstens elementar und zweitens verbesserungswürdig. Bald arbeitete sie als Ausbilderin in einer Schule für Pflegeberufe und vermittelte Neulingen Hintergründe und Praxistipps zur Krankenhaushygiene. Matthies gehört zu den ersten Gesundheits- und Krankenpflegern, die sich zur Hygienefachkraft fortgebildet haben – in einer staatlich anerkannten zweijährigen Weiterbildung   für erfahrene Gesundheits- und Krankenpfleger. 15 Jahre ist das her. Eine gefühlte Ewigkeit.

Viel hat sich verändert

„Damals gab es für das ganze Krankenhaus nur einen Desinfektionsplan“, erinnert sich die 54-Jährige. Heute sind es 60 verschiedene, für die unterschiedlichen Stationen und Bereiche. Der einfachste Plan fasst zusammen, wie und wann Hände sowie Flächen zu desinfizieren sind, die komplexen für Ambulanz und OP berücksichtigten außerdem alle Arbeitsabläufe mit medizinischen Geräten und juristische Details zu Medizinprodukten. Früher war Matthies eine Art Einzelkämpferin, heute arbeitet sie im Dortmunder St. Johannes Hospital im Team mit zwei Kolleginnen, unterstützt von 32 hygienebeauftragen Pflegekräften, hygienebeauftragten Ärzten und einem Krankenhaushygieniker mit fünfjähriger Fachausbildung. In den Köpfen hat sich etwas bewegt: „Anfangs gab es bei einigen Ober- und Chefärzten Vorbehalte, wenn ihnen Hygienefachkräfte mit Ratschlägen kamen. Die jüngere Generation ist da heute offener.“

Kontrolle muss sein

Das ist wichtig, weil es zu den wichtigsten Aufgaben von Hygienefachkräften gehört, ihre Kollegen zu kontrollieren: Auf Rundgängen überprüfen Hygieneprofis wie Marion Matthies, ob alle Standards eingehalten werden und erstellen Mängellisten. „Hygiene im Alltag heißt für mich: Aufmerksamkeit in scheinbar einfachen Dingen, die ihre Herausforderungen in der Wiederholung haben, wie die Durchführung einer gezielte Hände- und Flächendesinfektion“, sagt Matthies. „Kontrolle wird natürlich oft negativ aufgefasst. Die Leute wissen aber, dass wir unsere Stellung nicht missbrauchen, um jemanden anzuschwärzen. Uns geht es um etwas Positives: mehr Sicherheit für alle im Krankenhaus!“

Um das zu erreichen, gehen die Hygienefachkräfte nach dem Grundsatz vor: „Wir glauben nichts, wir prüfen alles!“ – von den Waschmaschinen für Schuhe und Mopps bis zu den Flüssigkeiten in der Dialyse und den Endoskopen. Sie haben Zugriff auf alle wichtigen Daten, sehen, ob sich irgendwo Durchfallerkrankungen häufen, studieren Laborbefunde und führen Statistik. Gibt es Handlungsbedarf, gehen sie gezielt auf einzelne Stationen zu, etwa wenn Patienten multiresistente Erreger in sich tragen und in Einzelzimmer verlegt werden müssen. „Dann prüfen wir auch, ob an der Tür das richtige Hinweisschild hängt und dass genug Schutzkittel bereitliegen.“

Immer ein Ohr für Patienten

Matthies ist es wichtig, bei all den Zahlenreihen, Protokollen und Richtlinien nie den einzelnen Menschen aus dem Auge zu verlieren. „30-seitige Richtlinien vom Robert Koch-Institut müssen für das tägliche Arbeiten übersetzt und praktizierbar werden.“ Patienten und Angehörigen vermittelt Matthies das Fachwissen so verständlich wie möglich. Wenn es um Krankheitskeime geht, sind oft Ängste und starke Emotionen im Spiel: „Eine Patientin war mit MRSA-Keimen besiedelt, das ist an sich nicht gefährlich, weil die Keime im Normalfall keine Infektionen auslösen. Die Frau hatte aber Angst und war ganz verunsichert.“ Marion Matthies gehört zu den Aufklärern, die solche Ängste abbauen und nachhaltig das Wissen über Hygiene vergrößern, was ihr auch bei dieser Patientin gelungen ist Dass es nun in NRW eine landesweite Hygieneinitiative mit dem gleichen Ziel gibt, ist ganz in ihrem Sinne. (Text veröffentlicht: 2015)

DATEN UND FAKTEN: HYGIENE IM KRANKENHAUS

Einige Kennzahlen zum umfassenden Infektionsschutz. Mehr

KLEINE SCHRITTE, GROSSER EFFEKT: 5 HYGIENEREGELN

So schützen Sie sich und andere schnell und leicht vor Keimen. Mehr

EXPERTEN ANTWORTEN: DAS KEIMLEXIKON

Sie haben eine Frage zu Keimen? Wir haben die Antworten! Mehr