Das lächelnde Krankenhaus

Sich mit einem Händedruck zu begrüßen oder zu verabschieden, ist ein internationaler Brauch. In Kliniken empfinden es Patienten als persönliche, Vertrauen erweckende Geste des Arztes mit der Botschaft: Ich kümmere mich um Dich, ich bin da für Dich! So gut aber der Händedruck der Seele tut, so gefährlich kann er für den Körper sein. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden 80 Prozent aller Infektionen über die Hand übertragen – eine Gefahr vor allem für abwehrgeschwächte, schwerstkranke Menschen, deren Immunsystem die Infektion nicht ausreichend bekämpfen kann. Krankenhäuser, in denen multiresistente Keime auftreten können, gehen daher besonders sensibel und aufmerksam mit der Thematik um.

Höflich ohne Hände in Lüdenscheid

Im sauerländischen Lüdenscheid hat man Anfang 2012 umgedacht und den Händedruck offiziell aus dem Klinikalltag verbannt. Prof. Dr. Rolf Larisch, der damalige Ärztliche Direktor des Klinikums Lüdenscheid mit seinen knapp 1000 Betten, berichtet von einem merklichen Anstieg der MRSA-Infektionen zu dieser Zeit: "Die Fallzahlen verdoppelten sich im Zwei-Jahres-Takt. Das hat uns einen kleinen Schrecken eingejagt."

Abhilfe schaffte unter anderem eine Plakatkampagne, die Patienten, Besucher und das Fachpersonal zum Handschlagverzicht aufforderte. Unter dem Motto "Höflich ohne Hände" warb die Klinikleitung für freundliche Begrüßungsrituale ohne riskanten Hautkontakt. So sollte generell ein neues Bewusstsein für die Handhygiene geschaffen werden. In der Nierenheilkunde etwa werden die Patienten bereits im Zuge der Aufnahme darüber informiert, dass man ihnen den Handschlag zu ihrer eigenen Sicherheit vorenthält.

Eine Maßnahme mit Erfolg: Heute werden im Klinikum Lüdenscheid rückläufige MRSA-Zahlen gemessen. Und auch die Freundlichkeit hat keinen Schaden genommen, wie Larisch erklärt: "Natürlich schütteln wir Kollegen und Patienten zu besonderen Anlässen die Hand. Aber alle wissen, dass danach eine Desinfektion stattzufinden hat. Hin und wieder bekomme ich sogar einen wohlgemeinten Rat von meinen Patienten."

Aktion No Hands! in Bochum

Auch das Augusta-Krankenhaus in Bochum geht neue Wege gegen multiresistente Erreger. Seit Mai 2014 heißt es dort: No Hands! Die 1600 Mitarbeiter und Ärzte müssen laut Dienstanweisung auf das Händeschütteln verzichten – der Gesundheit zuliebe. Das ist nicht unhöflich, sondern umsichtig, denn jedem Menschen haften bis zu zwei Kilo Keime an.

"Die Aktion No Hands! wurde innerhalb unserer Kliniken wie auch in der Öffentlichkeit gut aufgenommen", so Ulrich Froese, Vorstand der Stiftung Augusta und Geschäftsführer der Augusta Kliniken. Ein erstes Zwischenfazit fällt positiv aus: "Initiiert durch die Kampagne findet das Thema Hygiene in unserem Hause einen noch höheren Stellenwert und wird von den Beteiligten durch ein entsprechend hohes Engagement gelebt. Das Thema Hygiene ist fest in unserem Hause verankert."

Eine Idee aus den USA

"No Hands" ist eine Idee aus den USA. Dort vergleichen Hygiene-Experten der Universität von Kalifornien die Folgen des Händeschüttelns mit dem Rauchen in der Öffentlichkeit. Sie fordern ein generelles Verbot für Ärzte und andere Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen, gerade weil diese Berufsgruppe mit besonders vielen und zum Teil antibiotikaresistenten Keimen in Berührung kommt. Der Verzicht auf den Handschlag ist daher ein leichter und schneller Weg, um mehr Sicherheit für den Patienten zu schaffen. (Text veröffentlicht: 2015)

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