Der „Faktor Mensch“ ist beim Thema Hygiene zentral

Bisher haben wir Klinikmitarbeiter portraitiert, die sich gegen Keime einsetzen. Hygiene im Krankenhaus funktioniert aber nur, wenn alle Mitarbeiter gemeinsam an einem Strang ziehen. Im Siegener St. Marien-Krankenhaus führte die Geschäftsführung aus diesem Grund vor einigen Jahren ein abteilungsübergreifendes Hygienemanagement ein. Aktuelle Ausbaustufe ist der „Hygiene-Aktionsplan 2016“.

In der Siegener Klinik gehen täglich Hunderte ein und aus, Mitarbeiter, Patienten und Besucher. „Die Menschen bringen die Keime regelmäßig in das Krankenhaus mit“, berichtet Geschäftsführer Winkelmann, weshalb bereits im Foyer die Aufklärungsarbeit und Gegenmaßnahmen beginnen: „Dort motivieren wir zur Händehygiene, der ersten `Verteidigungslinie`, denn über die Hände werden schließlich über 80 Prozent der Keime übertragen.“ Überall in der Klinik stehen Spender für Desinfektionsmittel, für Hochrisikobereiche wie die Isolierstation gelten verschärfte Hygieneregeln.

 

Viel in Weiterbildung investiert

Diese Maßnahmen sind nur ein Baustein im von der Geschäftsführung eingeführten Hygienemanagement: Die gesamte Hygieneorganisation wurde neu aufgestellt, Zuständigkeiten neu festgelegt und das Personal weitergebildet. 40 Mitarbeiter des ärztlichen und pflegerischen Dienstes aus allen Klinikbereichen haben sich intern zum Hygienebeauftragten weiterbilden lassen. Drei Mitarbeiter haben sogar den speziellen Abschluss zum „Antibiotic Stewardship“ absolviert. Darüber hinaus durchlief der hygienebeauftragte Arzt die Weiterbildung zum Krankenhaus-Hygieniker, ein zweiter Facharzt befindet sich kurz vor dem Abschluss.

Nicht allein die fachliche Ausbildung des Personals ist entscheidend, sondern auch die Kommunikation untereinander: „Unsere neue Kommunikationsmatrix stellt sicher, dass die wesentlichen, mit Hygiene befassten Stellen sich regelmäßig austauschen und informieren, was bisher ein Schwachpunkt in der Organisation war“, erklärt der Geschäftsführer.

 

Ohne Kontrolle geht es nicht

Der „Faktor Mensch“ ist beim Thema Hygiene zentral. Die Klinikleitung setzt bei den Mitarbeitern auf eine Mischung aus Eigenverantwortung und Kontrolle. „Mitarbeiter sollten nicht das Gefühl haben, ständig überwacht zu werden. Wir wollen sie motivieren und unsere Führungskräfte haben dabei eine Vorbildfunktion“, erläutert Winkelmann.

Dennoch gehören in Siegen auch stichprobenartige Kontrollen zum Konzept, genauso wie ein Hygiene-Aktionsplan mit klar geregelten Verantwortungsbereichen. Zusätzlich gibt es eindeutige Verfahrensanweisungen mit entsprechenden Verhaltensrichtlinien für Hygiene. Wer dagegen verstößt, dem drohen arbeitsrechtliche Maßnahmen. Zur Qualitätssicherung arbeitet die Klinik außerdem mit externen Stellen wie dem Gesundheitsamt Siegen intensiv zusammen, erklärt der Geschäftsführer.

Doch dieses umfassende Hygienemanagement-Konzept ist teuer. Der Verbrauch von Desinfektionsmitteln ist noch der kleinste Posten bei den Kosten für Hygiene. Am teuersten sind die internen Personalkosten. „Insgesamt ist für ein Haus unserer Größenordnung sicherlich mit mehr als einer halben Million Euro an jährlichem Aufwand für das Hygienemanagement zu rechnen“, kalkuliert Winkelmann.

Der Kampf gegen Keime endet niemals und er muss langfristig betrachtet werden. „Da gibt es nicht den Hebel, den man mal eben umlegen muss. Es hat letztendlich mit der gelebten Hygienekultur zu tun und hier haben wir viel erreicht.“ (Text veröffentlicht: 2016)

DATEN UND FAKTEN: HYGIENE IM KRANKENHAUS

Einige Kennzahlen zum umfassenden Infektionsschutz. Mehr

KLEINE SCHRITTE, GROSSER EFFEKT: 5 HYGIENEREGELN

So schützen Sie sich und andere schnell und leicht vor Keimen. Mehr

EXPERTEN ANTWORTEN: DAS KEIMLEXIKON

Sie haben eine Frage zu Keimen? Wir haben die Antworten! Mehr